FAQ - Chemische Eigenschaften

Chemikalienresistenz von PVC-Rohren

PVC-Rohre weisen eine exzellente Chemikalienresistenz auf, was sie für einen großen Anwendungsbereich attraktiv macht.

In normalen Anwendungen ist PVC üblicherweise keinem chemischen Angriff ausgesetzt. Jedoch in kontaminiertem Boden oder spezifisch verschmutztem Wasser und industriellen Systemen sind sie hoch-resistent gegenüber starken Säuren, Alkalien und oberflächenaktiven Stoffen. Sie können in Gegenwart von Schwefelsäure verwendet werden, die oftmals unter ungewöhnlichen Bedingungen bzgl. Abwassersystemen anzutreffen ist.

PVC-Rohrsysteme werden in industriellen Anwendungen aufgrund ihrer exzellenten Chemikalienresistenz eingesetzt. Jedoch werden keine Dichtringe für diese Anwendung empfohlen und verklebte Verbindungsstücke werden hier bevorzugt.

PVC ist resistent gegenüber den meisten Ölen, Fetten, Alkoholen und Kraftstoffen, aber einige Petro-basierte Kraftstoffe, die Benzol enthalten, neigen zum Quellen.

PVC kann auch für den Kontakt mit aliphatischen Kohlenwasserstoffen eingesetzt werden, aber aromatische Kohlenwasserstoffe können nicht akzeptables Quellen verursachen, sogar bei der Absorption aus der Gasphase1.

PVC ist vor allem gegenüber den stärksten oxidierenden Bedingungen resistent. Wasserstoffperoxid hat unabhängig von der Konzentration keinen Effekt und selbst konzentrierte Lösungen von oxidierenden Salzen wie z.B. Kaliumpermanganat verursachen nur einen oberflächlichen Angriff.

PVC ist generell unverträglich für den Kontakt mit aromatischen und chlorierten Kohlenwasserstoffen, Ketonen, Nitrocompounds, Ester und cyclischen Ethern, die das PVC durchdringen und Quellen und Erweichen verursachen. Diese durchdringenden Lösungsmittel sind auch schädlich für PVC auch im verdünnten Zustand, aber, wenn sie verdünnt sind, wird ihr Effekt deutlich schwächer ausfallen und bei sehr geringen Konzentrationen , so wie sie in vielen Abflüssen vorherrschen, können sie sicher gehandhabt werden.

Weitere Informationen können unter ISO TR 10358 nachgeschlagen werden.

Referenzen
  1. Journal of Institute of Gas Engineers , 2, 3, March 1962, pp185-194

Werden PVC -Rohre durch chloriertes Trinkwasser beeinflusst?

Über Europa hinweg mit Ausnahme wie den Niederlanden und Dänemark, wo exklusiv Grundwasser benutzt wird, ist die Chlorierung von Grundwasser ein üblicher Weg, um die Präsenz von pathogenen Bakterien zu verhindern und zu gewährleisten, dass die EU-Mitgliedsstaaten die EU-Trinkwasserrichtlinie erfüllen.

Obwohl Chlor den Geschmack und Geruch von Wasser beeinflussen kann, wurde es lange Zeit als der richtige Weg empfunden, um sicheres Trinkwasser am Hahn zu liefern.

Die Konzentrationen, die in Europa verwendet werden, sind so kalkuliert, dass der verbleibende Chlorgehalt am Wasserhahn in der Größenordnung von 0,1 mg/l beträgt.

Sogar im Bereich von 1 mg/l, wie er in verschiedenen Ländern üblich ist, gibt es augenscheinlich keine Wechselwirkung mit den PVC-Rohrsystemen:

  • Der "Chlorverbrauch" des Materials ist Null
  • Die chemische Wechselwirkung des PVCs ist so gering, dass die Rohrsysteme hunderten von Jahren solchen Konditionen widerstehen können (selbst bei Temperaturen über 20°C, was die normale maximale "Trinkwassertemperatur" ist)

Wie verhalten sich PVC-Rohre im Falle eines Feuers?

PVC-U ist inherent selbstlöschend und benötigt keinen zusätzlichen Flammschutz, um die meisten Flammschutzprüfungen zu erfüllen.

Aktuell haben einige EU-Länder materialspezifische nationale Brandschutzklassen Klassifizierungen wie z.B. Frankreich M1, Deutschland B1, Italien Class 1 und UK Class 1.

Rohrsysteme müssen entsprechend den Standards bzw. Regularien "Widerstand gegen Feuer" leisten. In anderen Fällen gibt es keine nationalen Anforderungen oder Regularien für das Verhalten bei Feuer von Rohrsystemen in Verhältnis zu ihrer Funktion innerhalb der Gebäudestruktur.

Die Einführung der neuen europäischen Klassifizierung der Reaktion gegenüber Feuer von Bauprodukten wird in der Norm EN 135001-1 beschrieben. "Reaction to fire classification of construction products and building elements", das optionale Anforderungen für Rauch und Tropfen einschliesst.

Das Euroklassensystem basiert auf verschiedenen Tests in Abhängigkeit der Brandschutzklasse, der für das Endprodukt in seiner beabsichtigten Anwendung erforderlich ist. PVC-Rohre werden generell als Euroclass B klassifiziert und brennende Tropfen sind davon nicht beeinflusst.

Sicheres Trinkwasser in PVC-Rohren (Migration und Bakterienwachstum)

PVC-U und PVC-C Rohrsysteme sind für die völlig sichere Anwendung im Trinkwasser-Bereich geeignet und werden in ganz Europa (und weltweit) seit vielen Jahrzehnten für dieses Einsatzgebiet genutzt.

In Europa wird die Sicherheit von PVC-U und PVC-C Rohrsystemen für Trinkwasserleitungen aktuell auf nationaler Ebene geregelt, obwohl maßgebliche Bestrebungen im Gang sind, auf europäischer Ebene eine Harmonisierung der Bestimmungen und Testmethoden herbeizuführen.

Gegenwärtig werden die Vorschriften von nationalen Gremien sowie die Zertifizierung anerkannter Stellen durch zugelassene Laboratorien und Institute (Link zu Instituten, etc.) festgelegt, die anschließend regelmäßige Audits zur Sicherung der kontinuierlichen Einhaltung durchführen.
Als Teil der Harmonisierungsaktivitäten werden europäische Standards (EN) für eine Reihe von Testmethoden entwickelt, die zur Bewertung der Eignung von Kunststoffrohren für Trinkwasser angelegt sind. Diese Normen beinhalten Tests für die organoleptische Beurteilung (Geruch und Geschmack), Migration und Auswaschen von Substanzen ins Trinkwasser sowie Keimwachstum.

Migration: Es werden unterschiedliche Methoden verwendet zum Nachweis der Migration von vorhandenen Substanzen in PVC-U und PVC-C Formulierungen. Das Auswasch-Verhalten wird anhand von anhaltendem direktem Kontakt von Trinkwasser mit den Produkten unter äusserst erschwerten Bedingungen beurteilt. Das "Migrationswasser" wird dann mit verschiedenen Verfahren untersucht, u. a. der Suche nach Molekülspuren unterhalb der Grenze von wenigen µg/l.

Es findet nahezu kein Auswaschen statt: bei der Untersuchung mit Hilfe des kombinierten Verfahrens der Gaschromatographie und der Massenspektroskopie (GC-MS) sind die untersuchten Proben denen der Blindprobe nahezu identisch.

Blei wird bei der Stabilisator-Herstellung in zunehmendem Maße weniger verwendet, obwohl diese Stabilisatoren nie der Grund für Bleirückstände im Trinkwasser waren, da sie während des Produktionsprozesses vollständig in der PVC-Rohrstruktur eingeschlossen werden. Die nun alternativ verwendeten Stabilisator-Systeme werden als völlig unbedenklich eingestuft (“Positivliste”) und haben keinerlei Einfluss auf die Trinkwasser-Eigenschaften.

Keimwachstum: PVC-U und PVC-C Rohre sind diesbezüglich für ihr ausgezeichneten Eigenschaften bekannt, dies wird durch die in Europa (Deutschland, Großbritannien, Niederlande) verwendeten Methoden zum Nachweis von Keimwachstum bei Produkten mit Trinkwasser-Kontakt eindeutig belegt.

Viele Feldstudien bestätigen dieses ausgezeichnete Verhalten, welches mit der fehlenden Migration und den sehr guten Oberflächeneigenschaften dieser Rohrsysteme zusammenhängt.

Geruch & Geschmack: Aufgrund der nicht vorhandenen Migration und dem niedrigem Keimwachstum in PVC-U und PVC-C sind die organoleptischen Eigenschaften der Rohre aus diesen Materialen im Allgemeinen sehr gut, was durch regelmäßige Austestungen verschiedener europäischer Institute bewiesen wird.

Als Teil des europäischen Harmonisierungsprozesses beinhalten die sich im Entwicklungsstadium befindlichen EN-Standards die folgenden Normen: EN 1420 und EN 1622 zur Beurteilung der sensorischen Eigenschaften und Wasserqualität; CEN-TR 16364 zur Migrationsbestimmung am Diffusionsmodell; EN 16421 zur Beurteilung des Keimwachstums und EN 15768 zur Bestimmung der durch Wasser ausgewaschenen organischen Substanzen mittels GC-MS.

Neben dieser Initiative zur Vereinheitlichung der Standarduntersuchungen befindet sich auch eine europäische Positivliste im Aufbau für in Kunststoff verwendete Substanzen in Kontakt mit Trinkwasser. Diese harmonisierte EU-Positivliste wird möglicherweise die verschiedenen vorhandenen nationalen Trinkwasser-Positivlisten ersetzen.